Kurz & bündig

- Die Familie Kohler hat sich ab 2009 aus dem Dorf Künten AG zurückgezogen.
- Die Aussiedlung glückte, weil die Zusammenarbeit mit den Behörden eng war.
- Kohlers konnten ein Wohnhaus bauen, weil sie Kühe halten, die Überwachung brauchen.

Wachsen oder weichen: Simon Kohler (43) hat mit dem Trottenhof im aargauischen Künten beides gemacht. Gewichen ist der Betrieb aus dem zu Künten gehörenden Dorf Sulz. Gewachsen ist der Biobetrieb nämlich stetig.

Der Betrieb ist in 11. Generation in der Hand von Familie Kohler. Vater Alois Kohler (73) ist mit 17 Geschwistern aufgewachsen, sein Bruder hat über Jahre den Familienbetrieb bewirtschaftet. [IMG 4]

Der Trottenhof: Vom Milchvieh zu Gemüse und Legehennen

Ende der 1990er-Jahre hat Alois Kohler den Betrieb in einer Generationengemeinschaft mit seinen Söhnen übernommen. Die Bauleidenschaft und die Innovationsfreude der Familie Kohler kam schon damals voll zum Tragen: Der Milchviehstall wurde für Mutterkühe umgebaut, im alten Schopf entstand ein Stall für die Bio-Legehennen. Kohlers waren der zweite Betrieb, der dem Unternehmen Hosberg Eier lieferte. Parallel bauten Kohlers einen Gemüsebetrieb auf.

Da in der Gemeinde je länger je mehr Landwirte aufgaben, konnten Kohlers Land kaufen oder pachten. Die viele Arbeit lohnte sich, der Betrieb stand und steht bis heute auf wirtschaftlich guten Beinen. Das bestätigte auch ein Betriebskonzept, das die Generationengemeinschaft 2004 anfertigen liess.

Dieses Konzept war die Basis für den nächsten grossen Schritt: In einer Teilaussiedlung wollten Kohlers aus Platzgründen ausserhalb des Dorfs eine Maschinenhalle mit Hühnerstall errichten. Das glückte, die erforderlichen Bewilligungen trafen ein.

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Ein Baukastensystem für die Legehennen des Trottenhofs

Rund 20 Jahre später erinnert sich Alois Kohler, wie er seinen Söhnen als Idee mitgab, doch einen Hühnerstall im Baukastensystem in die Maschinenhalle zu integrieren: «Bio-Eier waren zu dieser Zeit enorm gefragt. Das Baukastensystem würde es erlauben, den Stall recht einfach wieder zu entfernen, wenn der Betriebszweig nicht mehr floriert.» [IMG 6]

Maschinenhalle und Hühnerstall stehen immer noch, ergänzt durch einen Kühlraum fürs Gemüse. Und mehr noch: 2015 errichteten Kohlers eine zweite Halle, in die sie nicht nur einen zweiten Hühnerstall, sondern einen Rüstplatz und eine Werkstatt für den eindrücklichen Maschinenpark integrierten. Dazu gehört auch ein fester Waschplatz sowie eine Tankstelle mit einem Dieseltank, der 20'000 Liter fasst.

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Das Kreislaufdenken gehört zur Betriebsphilosophie von Familie Kohler

Es gehört zum Kreislaufdenken, das der Familie Kohler eigen ist, dass neben Hühner auch Rinder ihren festen Platz in der Betriebsphilosophie haben. Denn der intensive Gemüsebau bedingt, dass die Böden viel Nährstoffe bekommen.

Vater Alois bezeichnet das Aufbereiten von Hofdünger als sein Hobby: «Als Landwirt habe ich nie ausgelernt.» Auch mit 73 gebe es immer noch Neues zu lernen und deshalb sei Landwirt bis heute sein Traumberuf.

Sohn Simon Kohler ist seit 2019 alleiniger Grundeigentümer des Trottenhofs. Die Organisation des Betriebs liegt in seiner Verantwortung, er entscheidet etwa über den Anbauplan der Gemüsesorten. Damit aber alle Mitarbeitenden informiert sind, hängt der Plan an einer Wand beim Hühnerstall. [IMG 3]

Die Mutterkühe sind das Aufgabengebiet von Bruder Adrian Kohler, um die ganzen, aufwändigen Büroarbeiten kümmert sich Simon Kohlers Frau Claudia. Alois Kohler ist neben der Hofdüngeraufbereitung bei den Hühnern engagiert.

Dank den Kühen war das Wohnhaus in Künten bewilligungsfähig

Die Kühe gaben den Ausschlag für die komplette Aussiedlung 2017: Kohler haben ein Zweifamilienhaus gebaut, gleich daneben steht der offene Stall für die Mutterkühe, ihre Kälber und den Stier. Die Simmentaler sind während der Weidesaison im Wechsel mit den Legehennen auf der Weide: Am Morgen sind die Kühe auf der mit Hochstamm-Obstbäumen bepflanzten Weide, am Nachmittag dann die Hennen. [IMG 9]

Mutterkühe bringen einen gewissen Überwachungsaufwand mit sich – das rechtfertigt den Bau eines Wohnhauses ausserhalb der Bauzone. «Nur» Legehennen reichen dafür nicht aus: Gemäss einem Bundesgerichtsurteils lassen sich Legehennen auch dann halten, wenn die Betriebsleiter nicht direkt neben dem Stall wohnen, sondern diesen innert zumutbarer Zeit mit dem Auto oder dem Velo erreichen können.

«Wir sehen vom Wohnzimmer aus, wie es unseren Kühen geht», sagt Simon Kohler. «Wir würden heute nichts anders bauen.». Da der Stall sehr offen ist, entsteht kaum Geruch. Arbeit und Freizeit kann und will Simon Kohler sowieso nicht trennen. Alle 14 Tage hat er am Sonntag frei, er und seine Familie gönnen sich Ski- und Sommerferien.

Das Haus passt bis heute für die ganze Familie

Mit dem Wohnhaus zeigt sich auch Claudia Kohler zufrieden. Auf ihre Initiative hin wurden ein Veloraum und ein Nassraum als Schmutzschleuse gebaut. Die Küche und die Loggia waren ihr wichtig, die Wohnräume haben eine Akustikdecke, welche den Schall der grossen, offenen Räume schluckt.

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Die Loggia war einer der wenigen Punkte, welche vom ursprünglichen Konzept des Wohnhauses abwichen: Eigentlich hätten Kohlers gerne einen Sitzplatz gebaut. Doch da das Haus in der Landschaftsschutzzone liegt, muss es bestimmte Auflagen erfüllen. Dazu gehört, dass es sich ideal in die Umgebung einfügt: Das Haus muss «aus dem Boden wachsen».

Kohlers Land liegt am Waldrand. Auf den ersten Blick wirkt das Gelände flach, doch das täuscht: Das Land steigt steil an, das Haus ist teilweise in den Hang gebaut. Deshalb ist der Keller ebenerdig. Statt einem Sitzplatz, der die Umgebung stärker verändert hätte, wurde eine Loggia ins Haus integriert. Auch die grossen Fenster und die Farbgebung sind den Bauauflagen geschuldet.

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Enge Zusammenarbeit mit den Behörden hilft bei Baugesuchen

Während der Genehmigungsphase sind Kohlers (damals noch als Generationengemeinschaft) sorgfältig vorgegangen. Eine erste Skizze ihres Projekts haben sie dem Gesamtgemeinderat vorgestellt.

Die Rückmeldungen waren positiv: «Es wurde begrüsst, dass wir uns aus dem Dorf zurückziehen.» Denn der Bauernbetrieb stiess in seiner Grösse an (Platz-)Grenzen: So blockierten etwa die Lastwagen, welche die Eier abholten, jeweils den Verkehr.

[IMG 4] Das Dorf hat sich gewandelt: Alois Kohler erinnert sich, dass Sulz in seiner Kindheit ein Bauerndorf gewesen sei. Heute melke niemand mehr, es gebe nur noch einige Rinder. Auf dem Platz, der einst ihr Betrieb war, steht nun ein Mehrfamilienhaus, das als AG im Besitz der Familie ist. «Das ist die Altersvorsorge», sagt Alois und lächelt seine Enkelinnen Sarah und Livia an. Alois Kohler und seine Frau wohnen im Mehrfamilienhaus. Eine gewisse Distanz tue allen gut, sind er und sein Sohn überzeugt.

Simon Kohler sieht die enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Behörden als Schlüssel zum Erfolg an: «Mit unserem Vorgehen haben wir die Behörden eingebunden und niemanden vor den Kopf gestossen.»

Auch die Termine auf dem Amt für Landwirtschaft und vor Ort hat Kohler als konstruktiv in Erinnerung. Zu Gute kam Kohlers, dass ihre Siedlung zwar von Landschaftsschutzzonen umgeben ist, doch ein sogenanntes «Siedlungsei» schon in den Plänen vorgemerkt war. Im «Siedlungsei» ist das Bebauen erlaubt, in der Landschaftsschutzzone nicht.

In kurzer Zeit mit viel Eigenleistung das Wohnhaus errichtet

Simon Kohler ist überzeugt, dass es auch hilfreich gewesen sei, dass die erste Teilaussiedlungen mit Hühnerstall und Maschinenhalle bereits fertig waren: «So war klar, dass wir nicht einfach ein Wohnhaus bauen und sonst nichts, was mit Landwirtschaft zu tun hat.» Zudem sei im Betriebskonzept ersichtlich gewesen, dass der Betrieb wirtschaftlich überlebensfähig sei.

Die eigentliche Bauphase war dann recht kurz: Innert fünf Wochen stand das Haus bis zum Giebel. Beim Bauen haben Kohlers Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Die Isolation besteht aus Steinwolle, der Abrieb ist mineralisch. Kohlers hatten Glück, dass sie in einem relativ trockenen Winter bauen konnten. Wichtig war ihnen, den Rohbau richtig trocknen zu lassen.

Die Pläne entstanden in enger Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro von Arx aus Stüsslingen AG. Gebaut haben Kohler mit der Genossenschaft für ländliches Bauen Aargau. «Das war für uns ideal, weil wir viel Eigenleistung erbringen konnten», sagt Simon Kohler.

Auch der Bagger gehört auf dem Trottenhof zum Kreislauf

Zum Maschinenpark des Trottenhofs gehören nicht nur Traktoren und diverse weitere Maschinen, sondern auch zwei Bagger. Simon Kohler hat ausgerechnet, dass es sich finanziell nicht lohnt, den Bagger für den Aushub zu mieten: «Deshalb haben wir ihn gekauft und mittlerweile amortisiert. Nun können wir ihn vermieten.» Auch das ist Simon Kohler wichtig und gehört für ihn zum eingangs erwähnten Kreislaufdenken: Möglichst viel auf dem Betrieb behalten und selber machen.

Ersetzt wird ein Traktor erst, wenn es sich nicht mehr lohnt, ihn zu reparieren. So steht neben einem hochmodernen Traktor auch ein Case mit über 17'000 Betriebsstunden in der Maschinenhalle: «Er funktioniert tadellos», sagt Simon Kohler – es gebe keinen Grund, ihn zu ersetzen.

Aus diesen Kreislauf-Gedanken rüsten Kohlers das Gemüse auf dem Betrieb und vermehren Saatkartoffeln. Natürlich sei das viel Arbeit, sagt Simon Kohler. Doch der Erfolg gibt der Familie Kohler recht: So bleibt die Wertschöpfung auf dem Hof und trägt dazu bei, dass der Betrieb auf sicheren Beinen steht.

 

Betriebsspiegel «Trottenhof»

Simon Kohler, Künten AG
LN: 48 ha, 1,5 ha Wald
Bewirtschaftung: Bio
Kulturen: Kunstwiese, Gerste, Weizen, Silomais, Kartoffeln (inkl. Saat- und Frühkartoffeln), Gemüse (Zuckermais, Randen, Karotten, Sellerie, Süsskartoffeln, Lauch, Wirz, Federkohl)
Tierbestand: 4000 Legehennen, 23 Mutterkühe mit Kälbern, 1 Stier
Weitere Betriebszweige: Naturschutzpflege mit Wasserbüffeln
Arbeitskräfte: Betriebsleiterpaar Simon und Claudia Kohler, Bruder Adrian Kohler, Vater Alois Kohler. Im Sommer zusätzlich zwei Festangestellte sowie Saisonarbeitskräfte bei Arbeitsspitzen.